Oder ein Blog…
Es erstaunt mich jedesmal bei meinen Streifzügen durchs Internet, wieviele Menschen einen Blog betreiben. Grundsätzlich spricht ja rein gar nichts dagegen. Im Gegenteil. Wo sonst kann man soviel über fremde Menschen lesen. Was sie tun, was sie bewegt, beschäftigt und was sie vom Leben erwarten. Oder man bekommt Tips für die größten Probleme des Lebens oder die unsinnigsten Fragen die man sich je im Leben gestellt hat.
Was mich jedoch weniger fasziniert und weniger freut ist eine andere Sache die ich beim Bloggen beobachte: Menschen die Bloggen neigen scheinbar dazu, nur noch ihrem Blog etwas zu erzählen. Steht etwas nicht in einem Blog, ist es nicht wichtig, nicht interessant.
Woher das kommt weiss ich nicht und ob es wirklich so ist, weiss ich auch nicht. Es ist nur mein Eindruck von dem, was ich selbst erlebt habe.
Was macht für mich Kommunikation so spannend?
Die Tatsache, dass, wenn ich jemandem etwas erzähle, ich es nur dieser einen Person, oder kleinen Gruppe erzähle. Egal wie sehr ich mich bemühe, ich werde es niemand anderem noch einmal genauso erzählen. Die Umgebung ist eine andere, meine Stimmung ist eine andere und meine Detailtreue ist ebenfalls nicht immer die gleiche. Bei den einen lass ich unbewusst das eine weg, erzähle aber dafür anderen etwas mehr.
Das führt dazu, dass sich mein Gegenüber jederzeit sicher sein kann, dass ich nur ihm genau diese Sache erzählt habe. Keiner anderen Person. Ausgenommen hiervon sind Sätze die ich auswendig gelernt habe. Aber dieses sollte in Gesprächen unter Freunden eher selten stattfinden.
Und hier wird es dann spannend beim Bloggen.
Natürlich erfahre ich auch über Blogs etwas über den Menschen. Teilweise sogar mehr als mir diese Person ansonsten erzählen würde. Allerdings erzählt sie es nicht mir persönlich. Sie erzählt es allen. Für alle Leser ist es die gleiche Geschichte, die gleiche Detailtreue und jedes Wort ist für jeden Leser bestimmt.
Da auch die Blogger genau dieses im Hinterkopf haben, werden sie natürlich nicht so schreiben, wie sie es jemandem erzählen würden, der ihnen in einer bestimmten Person mit einer bestimmten Stimmung gegenüber stehen würde.
Was is mich dabei Frage: Geht es nur mir so, oder sehen das andere auch so. Das in einem Blog Emotionen und Nähe zwischen Menschen, die befreundet sind, verloren gehen können?
Ich lese Blogs von Freunden so gut wie gar nicht. Ich schaue ab und zu rein, überflieg das ein oder andere, und das wars. Denn ich möchte nicht, dass ich über meine Freunde etwas erfahre, was sie mir nicht selbst erzählen. Mir persönlich erzählen.
Allerdings erwarte ich dies auch nicht mehr. Ich kenne mich ja schließlich selbst. Und auch ich bin es manchmal leid, Dinge immer und immer wieder zu wiederholen. Doch selbst dann ist es immer nur für denjenigen, dem ich das gerade eben erzähle. Und nicht die gleiche Version für tausende von Leuten.
Es ist vergleichbar mit Pop-Musik.
Pop-Musik wird in einem Studio aufgenommen und so lange bearbeitet, bis es perfekt ist. Anschließend wird es auf eine CD gepresst und von dem Moment an ist es für alle immer das gleiche. Egal wie oft die CD gespielt wird. Egal wo. Es ist immer der exakt gleiche Song der da aus unserer Anlage strömt. Selbst bei Konzerten von Pop-Sternchen, wird oft genug genau die Version gespielt die man auf der CD hören kann. Die Choreografie ist eintrainiert und wurde schon zigmal auf MTV und VIVA beobachtet. Es ist nichts einzigartiges, nichts persönliches.
Das ist mitunter ein Grund warum ich lieber Live-Musik höre. Es ist persönlicher. Denn das was man da hört, konnte man nur einmal so hören. Der Sänger hatte nur einmal diese Stimmung und das war bestimmt eine andere, als die Stimmung, die er im Studio hatte.
Ich möchte von meinen Freunden und Bekannten keine Pop-Gespräche führen. Pop-Kommunikation oder wie auch immer man das nennen könnte, ist ziemlich unpersönlich. Ironischerweise denken manche Blogger trotzdem, dass, dadurch das sie alles im Blog veröffentlichen, wesentlich offener und persönlicher zu ihren Lesern sind. Nunja, das mag ja sein. Zu „Lesern“. Aber was ist mit den anderen?
Ich mache niemandem einen Vorwurf daraus oder beschwere mich darüber. Ich wünsche mir nur manchmal etwas mehr persönliche Kommunikation zwischen zwei Menschen zurück. Gespräche die nur ein einziges mal stattfinden.
Und keine Sorge, es ändert nichts daran wie sehr ich diese Menschen mag. Denn das ist nicht abhängig davon wie oft man mit einander einzigartige Gespräche führt.
sk.
2 Kommentare
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grundsätzlich hast du recht. kommunikation sollte etwas persönliches, individuelles sein. dennoch: meine freunde lesen meinen blog, zumindest einige von ihnen tun es. das gefühl, dass sie dort dinge erfahren, von denen ich ihnen im „realen leben“ nichts erzählt habe, haben sie dennoch nicht. ich denke, der unterschied zwischen einem „plausch unter freunden“ und einem blog besteht darin, dass man im gespräch „frei schnauze“ ungefiltert die spannendsten fakten auf den tisch knallt. blogs hingegen wollen (meistens) eine geschichte erzählen. so ist das meiner meinung nach auch bei pop-songs – james blunt würde seiner verflossenen wohl kaum „goodbye my lover, goodbye my friend…“ nachjaulen. muss er auch nicht, denn bei songtexten, gedichten und all den anderen arten geistiger ergüsse erwartet das auch gar keiner – denn es soll nicht real, sondern viel eher schön, unterhaltsam, amüsant oder was auch immer sein. eben so wie blogs eben. dass das alle gleich aufnehmen? nicht ganz, wie ich finde. klar – aus den boxen dröhnt der gleiche song. doch während du dir bei manchem lied wahrscheinlich denkst „was für ‘ne grauenhafte schnulze“, muss man mir vor lauter rührung vielleicht die tempos reichen. die persönliche wahrnehmung ist es, die jeden – egal ob bei musik oder blogs – anders empfinden lässt und das macht es doch irgendwie individuell.
lieben gruß, chrissi
Hey chrissi und herzlichen Glückwunsch zum ersten Kommentar in diesem noch sehr übersichtlichen kleinen Blog
Nun, ich meinte ja auch nicht das es alle gleich aufnehmen. Der Song bleibt immer der gleiche. Die Wahrnehmung der Zuhörer unterscheidet sich deutlich von Person zu Person. Dennoch ist der Song der gleiche.
Und nein, individuell ist die Empfindung des Lesers / Zuhörers. Nicht aber die “Unterhaltung” zwischen Autor und Zuhörer / Leser.
Ich schreibe in meinem Blog ja auch nicht was mir heute passiert ist. Eher worüber ich nachgedacht habe. Und das möglichst ordentlich ausformuliert. Das ist mir klar.
“Das wusstest du nicht? Das steht doch in meinem Blog!” Diesen Satz habe ich mittlerweile häufiger gehört und ich kann nicht sagen, dass er mich dazu animiert hat mir diesen Blog dann häufiger durch zu lesen, oder häufiger Gespräche mit dieser Person zu führen.
Vielleicht kam es ja nicht ganz rüber. Mir ging es eben gerade nicht darum, wie es andere empfinden. Oder ob es nun ausformuliert ist oder nicht.
Sondern darum, dass das Gespräch zwischen 2 Personen die einzige Art der Kommunikation ist, in der es kein 2. mal gibt.
sk.